Die Frage steht in jeder zweiten Anfrage, meist ganz am Ende und vorsichtig formuliert — als wäre sie unhöflich. Ist sie nicht. Wer ein Budget verantwortet, muss sie stellen. Hier ist die Antwort: so konkret, wie sie ohne Drehplan geht, und mit allem, was sonst gern erst auf der Rechnung auftaucht.
Kurz zur Begriffsklärung: Tonmann, Tonmeister, Sound Mixer, Production Sound — die Bezeichnungen wechseln je nach Setgröße und Branche. Gemeint ist immer dieselbe Person: die, die am Drehtag den Originalton (O-Ton) verantwortet.
Die kurze Antwort
Marktüblich in Deutschland: 500 bis 750 € Tagesgage, je nach Region, Format und Erfahrung. Dazu eine Equipment-Pauschale von etwa 100 bis 250 € pro Drehtag, plus Anfahrt. Ein Interview- oder Imagefilmtag mit komplettem Kit landet damit meist zwischen 600 und 1.000 € netto — Werbung wird höher gehandelt.
Mein eigener Satz steht offen auf der Startseite: 650 € netto für den Standard-Drehtag, Gage und Equipment-Pauschale zusammen. Für eine Zahl, die auf dein Projekt gerechnet ist, schick mir die Eckdaten — Rückmeldung binnen 24 Stunden.
Wofür du eigentlich bezahlst
Auf dem Angebot steht ein Drehtag. Drin steckt deutlich mehr:
- Davor. Drehplan lesen, Rückfragen stellen, das Kit für genau diesen Job packen. Ein Interview verlangt anderes Werkzeug als ein Multicam-Tag — gepackt wird für den Dreh, nicht für die Vitrine.
- Der Tag selbst. Aufbau, bevor die erste Klappe fällt. Der Drehtag. Abbau nach der letzten Einstellung, nicht nach Feierabend.
- Danach. Datensicherung, sauber benannte Files, Sound-Report für den Schnitt. Die Post soll mischen, nicht rätseln.
Kurz: Bezahlt wird ein Tag. Geliefert wird ein Paket.
Was bei mir ein Drehtag ist
Zehn Stunden, gerechnet ab meiner Abfahrt bis zur Rückkehr. Die Fahrzeit läuft also mit — für Anfahrt bekommst du keine zweite Rechnung und keine Stunden, die erst am Monatsende auftauchen. Eine Zahl, mit der du planen kannst.
Was in diesen zehn Stunden nicht mitzählt: Drehplan lesen, Rückfragen klären, das Kit für genau diesen Job packen, abends die Daten sichern und den Sound-Report schreiben. Diese Arbeit steckt im Tagessatz, nicht in der Uhr.
Wird es länger, rechne ich stundenweise weiter — angesagt am Set, sobald absehbar ist, dass es eng wird. Nicht hinterher auf der Rechnung. Und wenn die Anfahrt so weit ist, dass vom Drehtag kaum etwas übrig bleibt, reden wir vorher über eine Übernachtung: Das ist für beide günstiger als ein Tag, von dem die Hälfte auf der Autobahn stattfindet.
Die Equipment-Pauschale — und warum es sie gibt
Im Basispaket steckt alles für einen typischen Drehtag: Mischer-Recorder (je nach Job MixPre-6 oder MixPre-10) plus Backup-Recorder, Richtrohr für außen, Niere oder Superniere für innen, zwei Funkstrecken mit Lavalier, Timecode für bis zu drei Kameras. Und Redundanz — die Aufnahme läuft doppelt, die Reserve fährt mit. Du buchst Person und Set in einem.
Die Pauschale deckt den Teil, den man nicht sieht: Anschaffung, Wartung, Versicherung, Akkus, Windschutz, Tape — ein Drehtag frisst mehr Verbrauchsmaterial, als man denkt. Zum Vergleich: Dasselbe Kit im Verleih kostet deutlich mehr als die Pauschale. Nur steht dann niemand daneben, der es blind bedienen kann.
Was den Preis bewegt
- Anzahl der Sprecher/innen. Im Basispaket stecken zwei Funkstrecken, zwei weitere habe ich im Bestand und berechne sie wie Mietequipment. Podiumsrunde mit sechs Mikrofonen? Geht auch — was darüber hinausgeht, miete ich projektbezogen dazu und reiche es 1:1 weiter.
- Multicam & Timecode. Bis zu drei Kameras synce ich mit meinem Recorder aus eigenem Bestand — einmal morgens verteilt, spart es dem Schnitt Stunden. Mehr Kameras gehen auch, dafür miete ich Boxen dazu.
- Mehrtagesprojekte. Mehrere Tage am Stück lassen sich anders kalkulieren als ein einzelner. Reden wir.
- Anfahrt. Basis ist Nürnberg, gedreht wird deutschlandweit. Die Fahrzeit steckt im Zehn-Stunden-Tag. Die Fahrkosten: bis 50 km Entfernung keine, darüber 0,40 € je Kilometer für die Strecke jenseits der 50, hin und zurück — zwei Autostunden entfernt sind das rund 90 €. Bei weiten Strecken kommt eine Übernachtung dazu.
- Halbe Tage. Gibt es — kosten aber mehr als die Hälfte. Der Tag ist trotzdem geblockt, das Kit trotzdem gepackt, die Anfahrt dieselbe.
Warum der Tonmann der günstigste Posten im Budget ist
Rechnen wir andersrum: Was kostet ein Take mit kaputtem Ton? Es gibt drei Auswege, alle unschön.
- Restaurieren. Rauschen und Hall rausrechnen — pro Interviewminute gern eine Stunde Postproduktion, à 80 bis 150 €. Die Werkzeuge sind inzwischen erstaunlich gut. Aber restaurierte Sprache klingt gemacht: Man hört nicht, dass etwas fehlt. Man hört, dass etwas repariert wurde.
- Nachsprechen. Sprecher/innen zurück ans Mikro, Studio buchen, Takes anlegen. Klingt hinterher nach Studio statt nach Situation — und bei echten Menschen im Doku-Interview ist es schlicht keine Option.
- Nachdrehen. Team, Location, Protagonisten, alle Tagessätze — noch einmal. Das Zehnfache eines Tonmanns, wenn es reicht.
Ein sauberer Take kostet nichts extra. Ein kaputter kostet die Post — oder den Drehtag.
Welche fünf Fehler dabei am häufigsten passieren, habe ich hier aufgeschrieben: Die 5 teuersten Ton-Fehler im Imagefilm.
Die Fragen, die danach kommen
Reicht nicht das Mikrofon an der Kamera?
Für Atmo: ja. Für Sprache: nein. Jede Verdopplung des Abstands kostet die Stimme 6 dB, der Nachhall des Raums bleibt nahezu gleich — das Kameramikrofon steht fast immer zu weit weg vom Menschen. Die lange Antwort steht im Beitrag über Ton-Fehler.
Machst du auch die Mischung?
Ja. Schnittton, Rauschentfernung, Mischung, Mastering — Set und Post aus einer Hand, wenn du magst. Spart Übergaben und Diskussionen darüber, wer schuld war. Gemischt wird im eigenen Studio im Z-Bau, wo du die Abnahme auch persönlich hören kannst.
Wie kurzfristig kann ich anfragen?
Anfragen beantworte ich binnen 24 Stunden, auch kurzfristige Drehs klappen oft. Am meisten kann ich für dich tun, wenn ich früh dabei bin — am besten schon bei der Locationwahl. Wie du einen Drehort auf Ton prüfst: Drehort-Checkliste.
Kleines Team, knappes Budget?
Reden wir trotzdem. Ich baue Licht mit auf, kenne Kamera und Schnitt — gebucht wird ein Tonmann, die zweite Hand ist inklusive. Gerade kleine Crews buchen mich genau deshalb.
Dreh in Planung?
Schick mir Termin, Format und Drehort — du bekommst eine Zahl statt einer Spanne. Rückmeldung binnen 24 Stunden.
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